Venedig

 

Die letzte Fernreise mit der D-ELEV

zuletzt geändert: 2018-Feb-14

101231HeissOha, ist das heiß! Nahezu die gesamten 6 Tage unseres Venedig-Tripps waren wir bemüht, Schatten zu finden oder anderweitig zu Abkühlung zu gelangen. Angesichts wirklich sehr hoher Temperaturen und entsprechend gewittriger Neigung mancherorts ist es uns bravourös gelungen das nachzuholen, was uns ein Jahr zuvor verwehrt blieb: Die Landung auf dem “Aeroporto Nicelli - Lido di Venezia”. Doch vielleicht berichte ich besser der Reihenfolge nach.

100716Venedigflug101_1Im Jahre 2009 hat uns unsere Piaggio 149 “D-ELEV” auf einem Umweg über Nîmes, Frankreich, bis an des italienischen “Stiefels” Spitze nach Reggio Calabria  getragen - und auf leicht verschlungenen Wegen auch wieder zurück. Da damals Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel nebst anderen wichtigen Menschen dieser Erde einer Einladung des italienischen Staatschefs Berlusconi in das erdbebengeschädigte L’Aquila folgte, der Luftraum um diesen Staatsakt herum folglich weiträumig gesperrt war, wir deswegen nicht der Ostküste folgend bis nach Venedig fliegen durften [Vielen Dank, Herr Berlusconi!], mussten wir im letzten Jahr Venedig “links liegen lassen”. Grund genug, in diesem Jahr erneut einen Ausflug dorthin zu unternehmen.

100715Venedigflug004_1Am 15. Juli 2010 hatten wir nach geruhsamem Frühstück und allen notwendigen Vorbereitung die ELEV kurz vor 10.00 Uhr [local time] zum Run-Up gerollt und konnten kurz darauf Richtung Eggenfelden entschweben. Den einen, einzigen Fehler des letzten Jahres wollten wir selbstverständlich nicht wiederholen - also haben wir uns per Telefon mehrfach bestätigen lassen, dass wir in Venedig landen dürften und  -  jawohl - dass wir auch 100LL tanken könnten. In Eggenfelden gab es reichlich Sprit für die ELEV, etwas Abkühlung bei geöffneter Cowling und für uns ein Glas Mineralwasser. Dann folgte nach intensivem Wettercheck ein steter Steigflug in Richtung Salzburg. 100715Venedigflug005_1Unsere Intention war es, der Tauernstrecke zu folgen. Doch die Cumuluswolken türmten sich gerade dort auf, wo wir eigentlich hätten fliegen wollen, sodass wir leicht nach Osten ausweichend bis fast auf 11.000ft stiegen, um oberhalb Sankt Nikolai in Richtung Murau zu drehen und uns anschließend an Sankt Margarethen vorbei auf das VOR Villach zu fallen ließen. Die Südseite der Alpen war wolkenfrei und so konnten wir die vorgegebene Route durch die Dolomiten hindurch in jeder Hinsicht genießen. Es ist wirklich beeindruckend, an den großen, schroffen Bergflanken vorbei  - oder besser: zwischen ihnen hindurch -  zu fliegen.

100715Venedigflug009_1Die italienischen Controller nahmen uns nördlich Tarvisio in ihre Obhut und von nun an waren die Pflichtmeldepunk te strikt einzuhalten. Der Autobahn folgend ging es über Dogna und Chiusaforte bis nach Carnia, dann der Eisenbahnlinie folgend östlich an Udine vorbei bis nach Palmanova. Unserem “Request” nach einem Shortcut wurde stattgegeben, allerdings mussten wir deswegen einer anderen VFR-Route folgen, sodass es letztlich nicht viel Abkürzung gegeben hat. Kaum dass wir die Küstenlinie erreicht hatten, wurde ständig vor “Traffic” gewarnt: Es war eine militärische Zweimot, die noch tiefer als wir (!) knapp über sealevel uns unterholte und letztlich nach Treviso abbog.

100717Venedigflug197_1


Wir aber landeten wie geplant auf der Venedig vorgelagerten Insel “Lido”. Nach einigem hin und her und unter Aufbietung jeder Menge Geduld und einem gerüttelt Maß italienischer Sprach- und Mentalitätskenntnis gelang es uns, ein Hotel zu ergattern: Einen Tag weniger, als geplant, dafür nicht so teuer, wie befürchtet.

 

100715Venedigflug079_1Es folgten zwei Tage und Nächte, in denen wir Venedig bewundern und bestaunen durften, in denen wir aber auch merkten, dass tags wie nachts die Sommerhitze gnadenlos ist und dass darüber hinaus beißwütige Mücken die Nachtruhe durch hochfrequente Geräusche stören.

100716Venedigflug114_1Da wir unser Hotel auf Lido, das ist die Venedig vorgelagerte, langgestreckte Insel, auf der auch der Aeroporto Nicelli gelegen ist, genommen hatten, waren wir auf ein Vaporetto angewiesen. Vaporetti sind die “Buslinien” Venedigs, kleine Fährschiffe, die auf diversen Routen fahrplanmäßig verkehren und insbesondere im Canale Grande alle Nase lang einen Anleger ansteuern - mal steuerbord, mal backbord, immer schön im Wechsel. Unser Vaporetto brachte uns zum Markusplatz, wo wir Mühe hatten inmitten der Touristenströme nicht einander zu verlieren.

100716Venedigflug185_1Uwe musste unbedingt ein Foto eines der beiden steinernen Löwen machen  - pure Nostalgie -  danach folgten wir einer engen Gasse um ein paar Ecken herum, ließen noch eine deutsche Touristengruppe passieren und waren bald darauf alleine mit den wenigen “Eingeborenen”, die sich nicht vor der Hitze zu Hause in Sicherheit gebracht hatten.

100716Venedigflug118_1Und hier, abseits der Touristenrouten, wird Venedig erst richtig schön.
Doch der Stadtbummel führte uns schon bald wieder zurück an den Canale Grande, dann auf dessen südlicher Seite wieder in entlegene Stadtviertel und schließlich mit müden Füßen bis zum Bahnhof. Praktischerweise befindet sich dort der erste Anleger unserer Vaporettolinie, sodass wir uns einen Platz ganz vorne ergattern konnten und eine Sightseeingtour den gesamten Canale Grande entlang und dann bis nach Lido geboten bekamen.

100717Venedigflug GradoAm folgenden Tag betankten wir die D-ELEV, allerdings nicht randvoll, denn der Liter AVGAS ist in Italien nicht gerade zum Schnäppchenpre is zu haben. Doch nicht allzuweit entfernt liegt ja Portoroz, es gehört zu Slowenien, und dort konnten wir weit günstiger die Tanks der Piaggio auffüllen.100717Venedigflug205_1 In Portoroz trafen wir wie schon vor acht Jahren auf einen Follow-Me auf einer Mofa. Damals waren wir mit der D-EGNI hier gelandet, um anschließend nach Dubrovnik weiterzufliegen.

Da des Wetters wegen an eine erneute Alpenquerung nicht zu denken war, haben wir das Routing quer durch Slowenien bis an die ungarische Grenze geplant, 100718Venedigflug213_1immer schön den mittlerweile auch in Slowenien eingerichteten VFR-Routen folgend. In Ungarn drehten wir “northbound” und flogen bis an die Südspitze des Neusiedlersees. Dort liegt der von einem Österreicher betriebene Flugplatz der Stadt Fertöszentmiklos, was auf deutsch in etwas bedeutet: Sankt Niklaus [Szent Miklos] am Neusiedlersee [Fertö]. Dort blieben wir über Nacht; der Flugplatzbetreiber hatte uns ein Hotel besorgt und stellte auch noch den Fahrservice dorthin zur Verfügung.
Während des Abendessens kündete dann einige Kilometer entfernt ein heftiges Gewitter davon, dass der Weiterflug nach Prag am nächsten Tage eventuell doch schwierig werden könnte.

100719Venedigflug227_1Wir versuchten es am darauf folgenden Vormittag dennoch, nachdem wir uns viel Zeit beim Frühstück gelassen hatten, um der Front eine faire Chance zu geben, uns den Weg freizumachen. Doch einige Meilen nördlich von Wien mussten wir kapitulieren: Die Ceiling war zu niedrig, als dass wir uns durch die Hügel Tschechiens gewagt hätten. Also kehrten wir wieder um und nahmen dankbar erneut den trockenen Stellplatz am Meidl-Airport in Fertöszentmiklos in Anspruch. Diesmal nahmen wir ein Hotel in der Stadt selbst, besichtigten eines der vielen Schlösser, die die Esterhazys in dieser Gegend haben erbauen lassen, und hofften auf besseres Wetter für den nächsten Tag.

100719Venedigflug254_1Prag als Reiseziel anzusteuern hatte sich wegen des “Regentages” erledigt. Also schauten wir nach einem geeigneten Landeplatz in der Gegend um Dresden herum, den wir nach Möglichkeit noch nicht kannten: Wir wollen ja auch immer Neues kennen lernen. Die Wahl fiel auf Riesa: Befestigte Piste von genügender Länge und stadtnah gelegen. Der Flug dorthin führte östlich an Prag vorbei und dann nördlich Prags an die Elbe heran. Von da an brauchten wir nur noch dem Fluß zu folgen, der sich dann durch das Elbsandsteingebirge hindurch schlängelt und uns letztlich herrliche Blicke auf Dresden  [die Controller ließen uns gnädig durch die CTR] und Meißen bescherte. Vorher hatten wir mehrere Burganlagen [unter anderem Bezdez und Königstein] genauestens aus luftiger Höhe inspiziert.
In Riesa ist die Stimmung am Flugplatz ausgesprochen familiär, die Towerbesatzung kommt aus der Fliegerei und das macht sich im Ton bemerkbar.
Ein Quartier war schnell besorgt, mit Preisnachlass, sodass wir letztlich als “Radtouristen” dort eingecheckt wurden. Die Stadt ist unaufregend, war für unsere Zwecke aber völlig in Ordnung.

100720Venedigflug269_1Am letzten Tag gab es dann noch einen längeren Leg zurück nach Mary, zunächst immer der Elbe entlang und selbstverständlic h wieder mit etlichen Sightseeing-Turns, um etwa Wittenberg und Torgau sowie das Hundertwasserhaus in Magdeburg vorteilhaft vor den Fotoapparat zu bekommen. Die letzten Fotos wurden dann heimatnah und mit beruflichem Interesse aufgenommen: Uelzen wurde gleich zweimal mit Steepturns umkreist, anschließend ging es schnurstracks zurück nach Mariensiel.

Dies sollte die letzte Tour mit der D-ELEV für uns gewesen sein, was wir allerdings damals noch nicht ahnen konnten: Zwei Monate später war sie bereits in den Händen ihres neuen Besitzers in Österreich, gar nicht einmal so weit von Fertöszentmiklos entfernt. Für uns eine Erleichterung zum einen, da der Verein nun finanziell solide seine beiden anderen Flugzeuge betreiben kann. Zum anderen aber auch mit Wehmut, denn die D-ELEV hat uns seit 2003 durch ganz Europa getragen, uns immer viel Freude bereitet und sich als ausgesprochen zuverlässig erwiesen.

Wir wünschen dem neuen Besitzer ebensoviel Spaß mit der Maschine  -  alles Gute!